Was ist Tinnitus?

Was ist Tinnitus?

Bei einem Tinnitus, auch Phantomgeräusch genannt, hört in den meisten Fällen ausschließlich der Betroffene Töne und Geräusche, da diese keiner messbaren Schallquelle zugeordnet werden können. Da die Wahrnehmung der Phantomgeräusche subjektiv ist, werden sie unterschiedlichen, bereits bekannten Geräuschen zugeordnet. Hierbei beschreiben Betroffene den Tinnitus wie ein Brummen, Pfeifen, Zischen, Rauschen, Knacken oder Klopfen.

Die Symptome sind eindeutig

Tinnitus Betroffene haben immer ein bestimmtes Symptom gemeinsam: Die Phantomgeräusche in Form von Tönen oder atonalen Geräuschen. Da sich die Ohrgeräusche allerdings auf viele Gesundheitsaspekte der Betroffenen auswirken können, können auch so genannte Sekundär- beziehungsweise Begleitsymptome auftreten. Die Liste dieser ist lang und umfasst unter anderem:
  • Hörstörungen
  • Depressionen
  • Schwindel
  • Kopf- und Ohrenschmerzen
  • Zähneknirschen
  • Gereiztheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Angstzustände
  • Leistungsbeeinträchtigungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit

Deutliche Unterschiede im Leidensdruck

Meist steht die Ausprägung der Sekundärsymptome in direktem Zusammenhang mit der Wahrnehmungsintensität des Tinnitus. Anhand der individuellen Auswirkung auf die Einschränkungsfaktoren der Betroffenen kann man zwischen folgenden Schweregraden unterscheiden:

Grad 1: leichtgradig

Dies ist der häufigste Ausprägungsgrad der Ohrgeräusche und wird bei etwa 52 % der Betroffenen festgestellt. Der Tinnitus ist nicht störend und der Leidende schenkt ihm keine große Aufmerksamkeit, wodurch sich auch die psychische Belastung in Grenzen hält. Liegen keine Erkrankungen zu Grunde, kann der Ausprägung des ersten Schwergrades in der Regel mit einfachen Entspannungsverfahren entgegengewirkt werden.


Grad 2: mittelgradig

Rund 22 % der Tinnitus-Betroffenen leiden unter einer mittelschweren Ausprägung der Symptome. Im Alltag kommen sie meist ohne große Belastungen zurecht und schaffen es, die Ohrgeräusche durch Ablenkung und bewusstes ignorieren in den Hintergrund zu drängen. Nichtsdestotrotz können bestimmte Situationen oder Stress als Auslöser für eine Verstärkung der Symptome fungieren und führen in den ungünstigsten Fällen zu einer besonders starken Tinnitus-Ausprägung.

Abhängig von den individuellen Ohrgeräuschen des Betroffenen, können bereits in diesem Stadium Hörgeräte mit einem eingebauten Noiser verwendet werden. Dieser sorgt mit beruhigenden Klängen oder gleichmäßigem Meeresrauschen für eine Überlagerung des Tinnitus.


Grad 3: schwergradig

Während Ausprägungen des ersten und zweiten Grades im Alltag oft noch erträglich sind, müssen Betroffene des dritten Grades oft mit erheblichen Einschränkungen zurechtkommen. Nicht nur die allgemeine Lebensqualität leidet unter den störenden Ohrgeräuschen, sondern auch die berufliche Leistungsfähigkeit.

Bei Betroffenen eines schwergradigen Tinnitus treten oft auch Angst- und Schlafstörungen, sowie Depressionen und andere seelische Erkrankungen auf, die in vielen Fällen neben der Behandlung durch den HNO-Arzt auch eine psychologische Betreuung erfordern. Entsprechende Symptome betreffen rund 14 % der Erkrankten und sollten in jedem Fall ernst genommen sowie zeitnah behandelt werden.


Grad 4: sehr schwergradig

Der Anteil der Betroffenen, der in den vierten und damit schwerwiegendsten Grad des Tinnitusleidens eingestuft wird, beträgt rund 12 %. In der Regel ist die Beeinträchtigung durch die Ohrgeräusche in diesem Fall schon so stark, dass Betroffene sowohl beruflich, als auch privat sehr schwer beeinträchtigt, sowie arbeitsunfähig sind.

Anders als man vielleicht vermuten könnte, baut sich nicht jedes Tinnitusleiden immer mehr und mehr auf und findet unbehandelt dann seinen Höhepunkt im vierten Schweregrad. Manche Betroffene leiden beispielsweise nach einem Knalltraume direkt unter der stärksten Ausprägung und sind vom einen auf den anderen Tag berufsunfähig.


Unabhängig vom Schweregrad sollten Betroffene immer so früh wie möglich einen Arzt aufsuchen, damit sich die Symptome nicht verschlimmern und mögliche Ursachen zeitnah angegangen werden können. In unserem zweiten Teil geht es daher um die Ursachen des Tinnitus sowie entsprechende Behandlungsmöglichkeiten.


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