Misophonie – Wenn alltägliche Geräusche zur Qual werden


Misophonie ist eine Form der selektiven Geräuschintoleranz. Betroffene bewerten manche Alltagsgeräusche wie Kauen oder Räuspern als unerträglich. Wortwörtlich übersetzt meint Misophonie „Hass auf Geräusche“ und wurde Anfang des 21. Jahrhunderts durch die Neurowissenschaftler Pawel und Margaret Jastreboff geprägt. Man sollte eine Geräuschintoleranz von einer Hyperakusis unterscheiden, denn im Gegensatz zu der krankhaften Überempfindlichkeit gegenüber lautem Schall (Hyperakusis), werden nur bestimmte Geräusche bei einer Misophonie für störend beziehungsweise unerträglich empfunden. Im Folgenden werden Symptome, mögliche Ursachen und Therapieansätze einer Misophonie aufgezeigt.

 

 

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Symptome

Erste Symptome dieser Geräuschintoleranz treten häufig erstmals in der späten Kindheit auf, können sich aber in jedem Alter bemerkbar machen. Zunächst reagieren Betroffene nur auf ein einziges Trigger-Geräusch, wobei mit der Zeit mehrere Auslöser-Geräusche hinzukommen. Die Geräusche, welche eine Misophonie auslösen, können ganz unterschiedlich sein und lösen zudem auch verschiedene psychische und physische Reaktionen aus:

  • Erhöhter Blutdruck

  • Psycho-physiologische Reaktionen wie Schmerzen, Unwohlsein, Konzentrationsverlust und Stress

  • Schweißausbrüche

  • Verkrampfungen

  • Irritation und Missfallen

  • Aggressivität

  • Ekel

  • Gereiztheit

  • Frustration bis hin zu sozialem Rückzug

Häufig reagieren die Betroffenen zunächst körperlich bevor es zu psychischen Reaktionen wie Aggressivität und Wutausbrüchen kommt. Das Krankheitsbild kann man allerdings nicht zu einer Angststörung dazuzählen, da der Betroffene keine Angst vor dem Geräusch entwickelt, sondern es lediglich unerträglich ist, dieses Geräusch zu hören.

 

Misophonische Trigger

Als misophonische Trigger bezeichnet man Auslöser-Geräusche, welche diese heftigen physischen und psychischen Reaktionen hervorrufen. Die Trigger-Geräusche sind bei den Betroffenen unterschiedlich, dennoch haben sie alle gemein, dass es sich um alltägliche Geräusche handelt, wie:

  • Essgeräusche (Kauen, Schlürfen, Schlucken usw.)

  • Atmen

  • Niesen

  • Schnarchen

  • Räuspern

  • Kugelschreiberklicken

  • Lüftungsanlagen

  • Treppenknarren

  • Straßengeräusche

Wichtig ist, dass man zwischen nervtötend, störend und unerträglich unterscheidet, denn viele dieser Auslöser empfinden die meisten Menschen als unangenehm und störend. Erst das Gefühl, das akustische Signal nicht mehr aushalten zu können, sodass schon der Gedanke an das Geräusch aggressiv macht, deutet auf eine Misophonie hin.

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Ursachen

Zwar wird noch diskutiert, ob es sich um eine neurologische oder psychische Störung handelt, allerdings wurde eine Misophonie weder nach ICD-10 noch nach DSM-5, einem Klassifizierungssystem für psychische Krankheiten, klassifiziert. Momentan bezeichnet man es als neurologische Störung, bei welcher auditive Reize im Zentralennervensystem falsch interpretiert werden. Die genauen Ursachen der Krankheit sind allerdings bislang noch ungeklärt, da die Forschung erst am Anfang ist. Man kann nicht behaupten, dass die Krankheit nur bei bestimmten Personen auftritt, aber Studien besagen, dass Misophonie häufig mit neurologischen Entwicklungsstörungen wie Autismus oder einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (kurz ADHS) einhergeht. Es gibt keine klare Studie darüber, ob die Krankheit durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden kann, allerdings gibt es durchaus Arzneimittel, welche die Ohren schädigen und eine übermäßige Geräuschempfindlichkeit nach sich ziehen können.

Diagnose

Für Misophonie gibt es keine standardisierten diagnostischen Kriterien, allerdings gibt es in der Forschung Kriterien, um diese Krankheit festzustellen. Folgenden Kriterien, welche in der Literatur am meisten zitiert werden, wurden 2013 von drei Psychiatern des Medizinischen Akademischen Zentrums in Amsterdam formuliert.

  1. Die Anwesenheit oder Antizipation eines spezifischen, durch Menschen erzeugtes Geräusch löst eine impulsive, aversive körperliche Reaktion aus, welche mit Irritation oder Ekel beginnt und unmittelbar zu Wut wird.

  2. Diese Wut leitet ein tiefes Gefühl von Verlust der Selbstkontrolle mit seltenen, aber potentiell aggressiven Wutausbrüchen ein.

  3. Das Individuum erkennt, dass die Wut oder der Ekel exzessiv, unbegründet oder unverhältnismäßig zu den Umständen oder dem auslösenden Stressor ist.

  4. Das Individuum tendiert dazu, auslösende Situationen zu meiden oder wenn sie unvermeidbar sind, diese zu ertragen, was mit intensivem Unbehagen, Ärger oder Ekel einhergeht.

  5. Die Wut, der Ekel oder die Vermeidung verursacht beim Individuum signifikanten Distress (das heißt, es stört das Individuum, diese Wut oder Ekel zu empfinden) oder beeinträchtigt das alltägliche Leben der Person signifikant.

  6. Die Wut, der Ekel oder die Vermeidung können nicht besser durch eine andere Störung, wie Zwangsstörung oder Posttraumatische Belastungsstörung, erklärt werden.

In der Literatur sind einige Selbstberichtverfahren (Fragebögen) und Interviews zu finden, welche den Grad einer Misophonie messen sollen. Bei der Misophonia Questionnaire (MQ) wird die Präsenz von Symptomen, die resultierenden Emotionen und Verhaltensweisen und der allgemeine Schweregrad der Geräuschempfindlichkeit gemessen. Bei der Misophonie-Symptom-Skala schätzt der Betroffene seine Geräuschempfindlichkeit auf bestimmte von Menschen erzeugte Geräusche im Gegensatz zu anderen Menschen ein. Bei der Misophonie-Emotions- und Verhaltens-Skala beurteilt der Betroffene seine Emotionen sowie sein Verhalten, wenn ein misophonischer Trigger zu hören ist.

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Behandlung

Studien zu Behandlungsansätzen sind mehrheitlich Fallstudien, weshalb man keine Rückschlüsse auf die Allgemeinheit der Betroffenen schließen kann. Die untersuchten Therapien fokussieren sich aktuell auf verhaltenstherapeutische und neurologische Ansätze. Mit kognitiven Verhaltenstherapien, wie einer Konfrontationstherapie, vermuten die Forscher eine Hypersensibilisierung und Besserung der Misophonie. Da Stress eine große Rolle bei den Symptomen der Krankheit spielt, sollten stets Entspannungsübungen und Übungen zur Stressbewältigung durchgeführt werden, um die Intensität der Reaktionen zu reduzieren. In einigen Fällen kann die Krankheit auch mit Hypnose geheilt werden, allerdings gibt es hierzu ebenfalls keine klare Studienlage und deshalb sollten die Betroffenen das Für und Wider mit ihrem Hals-Nasen-Ohren-Arzt abwägen. Um die unerträglichen Geräusche etwas erträglicher zu machen, kann ein sogenannter Noiser eingesetzt werden, welcher auch häufig bei der Tinnitus-Therapie empfohlen wird. Es wird ein für angenehm empfundenes Rauschen erzeugt, um das Gehirn des Betroffenen von dem auslösenden Trigger abzulenken. So lernt der Betroffene mit der Zeit, das Hassgeräusch als normales Geräusch anzusehen und reagiert nicht mehr mit Wut, Ekel, Aggression oder Vermeidungsverhalten. Gerade bei Kindern wird häufig eine langjährige Psychotherapie in einer Misophonie Klinik oder Rehaeinrichtung, welche ähnlich wie ein Internat fungiert, empfohlen. Durch die Trennung der Eltern und Geschwistern und die neue ungewohnte Umgebung werden zusätzliche Stressfaktoren geschaffen und eine Besserung der Symptome ist meist nicht gegeben. Um die Misophonie zu bekämpfen beziehungsweise zu lindern, muss auch das Umfeld die Krankheit verstehen und die Betroffenen ernst nehmen. Eine Geräuschtherapie, angepasst auf die Betroffenen, im Kreise der Familie und in einem gewohnten Umfeld, ist deshalb eher zu empfehlen. Zudem können Betroffene und Angehörige sich in sogenannten Misophonie-Foren austauschen und Tipps und Erfahrungen mit der ungewöhnlichen Krankheit teilen.

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