Der Cocktailparty-Effekt

Der Cocktailparty-Effekt

In unserer Rubrik „Die Welt des Hörens" klären wir regelmäßig Besonderheiten, Phänomene und Kurioses rund um das Thema Hören. Diese Woche geht es um den so genannte „Cocktailparty- Effekt". Dieser tritt, anders als der Name vielleicht vermuten lässt, nicht nur auf Feiern auf, bei denen mehrere Personen sprechen und man sich auf die einzelnen Worte eines Sprechers fokussieren muss, sondern unterstützt uns vielmehr in unserem täglichen Leben.

Er beschreibt die Fähigkeit des Menschen, sich in einer Umgebung mit mehreren Schallquellen gezielt auf eine zu fixieren und diese aus dem Schallgemisch zu filtern und wahrzunehmen. Der Cocktailparty-Effekt wird daher auch als intelligentes oder selektives Hören bezeichnet.


Mensch schlägt Technik

Der Cocktailparty-Effekt ermöglicht es uns Menschen, dass wir den Sprecher, auf den wir uns konzentrieren, zwei- bis dreimal lauter wahrnehmen, als potentielle Störgeräusche. Außerdem können wir aus einem Stimmengewirr gezielt einzelne Schallquellen filtern und diese ausfindig machen. Der Effekt kann nicht auftreten, wenn nur eines der beiden Ohren funktionsfähig ist und wird daher als binaural bezeichnet.

Versuche, mit zwei Mikrofonen ein bestimmtes Signal aus einem Schallgemisch zu extrahieren, waren seither nur wenig erfolgreich. Vielmehr benötigt man, um das selektive Hören nachzuahmen, bestimmte Anordnungsformen oder mehrere Richtmikrofone. Da noch nicht bekannt ist, wie genau die Signalverarbeitung des Gehörs im Zusammenspiel mit dem Gehirn funktioniert, kann der Cocktailparty-Effekt nur hinzureichend auf die Technik übertragen werden.


Funktioniert der Cocktailparty-Effekt bei einem Hörgerät?

Da der Cocktailparty-Effekt ein uneingeschränktes, beidohriges Hören erfordert, ist die selektive Signalverarbeitung bei Menschen mit einer Hörminderung oder einem ertaubten Ohr eingeschränkt. Dies hat zur Folge, dass die Richtung einer Schallquelle schwerer lokalisiert werden kann und mehr Störgeräusche wahrgenommen werden.

Die in Hörgeräten verbaute Technik versucht das selektive Hören grundlegend mit zwei Funktionen auszugleichen: Den Richtmikrofonen und der Signalverarbeitung. Richtmikrofone werden gezielt so angebracht, dass sie nur den Schall aus einer bestimmten Richtung, wie beispielsweise der des Gegenübers bei einem Gespräch, aufnehmen. Die auf dem Hörgeräte-Chip installierte Software zur Signalverarbeitung kann dann auswerten, wann welches Signal auf welches Mikrofon trifft und Störschall gezielt filtern beziehungsweise weniger verstärken.

Einige Hörgeräte-Hersteller setzen außerdem auf eine detaillierte Analyse von Sprache und Störgeräusch. Sie soll helfen zu erkennen, welche Frequenzen und Lautstärken typisch sind für das Klangbild von Sprache und diese dadurch gezielt vom Störschall abgrenzen. Ziel ist es, den Cocktailparty-Effekt durch Kombination der verschiedenen Technologien zuverlässig nachzuahmen.


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